Mit der Fortsetzung der Reihe «Bildende Kunst aus Liechtenstein» würdigt die Philatelie Liechtenstein erneut die kreative Vielfalt des Landes. Die Ausgabe 2026 stellt zwei weitere Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst vor und macht ihre Werke als Sonderbriefmarken sichtbar.
Die erste Sonderbriefmarke zeigt ein Werk des Bildhauers «Hugo Marxer» (Wertstufe CHF 1.20), geboren 1948 und aufgewachsen in Eschen. Die aus Carrara-Marmor geschaffene Skulptur steht exemplarisch für sein künstlerisches Denken:
Ausgangspunkt ist die Zeichnung, die Linie auf dem Papier. Diese wird Schritt für Schritt in den Raum übertragen und gewinnt so an Körper, Präsenz und Greifbarkeit. Das Werk verbindet das Visuelle mit dem Haptischen und lädt dazu ein, Bewegung und Form neu wahrzunehmen.
Die zweite Sonderbriefmarke ist dem Werk von «Sunhild Wollwage» (Wertstufe CHF 1.90) gewidmet. Die Bildtafeln der im Jahr 1938 geborenen Künstlerin entstehen aus natürlichen Materialien wie Blütenstaub, farbigen Erden und Holzkohle. Im Mittelpunkt steht die stille Poesie der Natur, die sich nicht erklären, sondern erfahren lässt. Die Künstlerin versteht ihr Schaffen als ein Finden im Gehen – ihre Werke spiegeln die Ursprünglichkeit und Fruchtbarkeit der Erde in feinen, vielschichtigen Farbräumen wider.
Mit der Ausgabe «SEPAC – Symbolträchtige Wahrzeichen» beteiligt sich Liechtenstein 2026 erneut an der Gemeinschaftsausgabe der kleinsten Postgesellschaften Europas. Das gewählte Motiv steht für einen zentralen Moment der Landesgeschichte: Der «Schwurplatz Bendern» (Wertstufe CHF 1.90) ist ein Ort von hoher nationaler Bedeutung.
Am 16. März 1699 huldigte die Bevölkerung der damaligen Herrschaft Schellenberg auf dem Kirchhügel in Bendern dem neuen Landesherrn Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein. Mit diesem Treueschwur begann die politische Entwicklung, die zur Entstehung des Fürstentums Liechtenstein führte.
Der heutige Erinnerungsort wurde zwischen 1978 und 1980 als Gedenkstätte gestaltet. Er besteht aus einer Gedenktafel in der Felswand unterhalb des Pfarrhauses sowie einem vom Künstler Georg Malin entworfenen Brunnen. Die runde Form des Platzes erinnert an den Kreis als ursprüngliche Versammlungsform. Die fünfteilige Brunnenkrone steht symbolisch für die fünf Gemeinden des Unterlands beziehungsweise der ehemaligen Herrschaft Schellenberg. Die Sonderbriefmarke wird im Stahlstichverfahren produziert und erscheint zusätzlich als Bunt- und Schwarzdruck.
Mit der Ausgabe «Musik – Liader us der Oberteli» widmet sich die Philatelie Liechtenstein einem besonderen Kapitel des kulturellen Erbes: der überlieferten Volksmusik und ihrer Bewahrung für kommende Generationen. Die Sonderbriefmarke «S’isch egal» (Wertstufe CHF 6.80) erscheint in einer aussergewöhnlichen Form – als abspielbare Schallplatte. Im Zentrum dieser Ausgabe steht Josef «Pepi» Frommelt, ein Wegbereiter der liechtensteinischen Volksmusikforschung.
Mit grossem Engagement sammelte, dokumentierte und bewahrte er traditionelle Lieder, die über Jahrzehnte hinweg das musikalische Selbstverständnis des Landes geprägt haben. Sein Anliegen war es, musikalische Wurzeln nicht nur zu erhalten, sondern altes Liedgut neu hörbar zu machen. Dieses Vermächtnis wird heute von der Pepi-Frommelt-Stiftung weitergeführt. Das auf der Schallplatte enthaltene Lied «S’isch egal» ist Teil dieses überlieferten Musikschatzes.
Lange Zeit wurde das ursprüngliche Lied „Du und i sind Brüederli“ als liechtensteinisches Volkslied verstanden, bis sich zeigte, dass das Original vom Schweizer Komponisten Werner Wehrli (1892-1944) stammt. Gerade diese Erkenntnis unterstreicht den kulturellen Wert der Sammlung: Volksmusik lebt von Austausch, Weitergabe und Interpretation. 1985 wurde das Lied erstmals auf einer Langspielplatte aufgenommen und so für kommende Generationen gesichert.
Die hier vorliegende 2023 von der liechtensteinischen Pop-Formation PEPS realisierte neue Version «S’isch egal» auf der Basis von „Du und i sind Brüederli“ bringt in zeitgemässem poppigem Reggae-Feeling und heiterem liechtensteinischem Dialekt heute gelebte Realität in den Dialog mit der historisierenden Sprache vor gut 100 Jahren.
Die Briefmarke ist zentral auf der Schallplatte platziert, diese kann auf einem handelsüblichen Plattenspieler abgespielt werden. Zusätzlich ist das Lied über einen QR-Code auf der Briefmarke digital abrufbar. Damit verbindet diese Ausgabe analogen Musikgenuss mit zeitgemässer Technik – echter philatelistischer Hörgenuss.
Mit dem Sonderblock «Bergwelt Liechtenstein» mit vier Wertzeichen rückt die Philatelie Liechtenstein die alpine Prägung des Landes in den Fokus. Vier markante Berge stehen stellvertretend für die Vielfalt der liechtensteinischen Landschaft – von bekannten Aussichtsbergen bis zum höchsten Punkt des Fürstentums. Die Motive sind bewusst als reduzierte Silhouetten gestaltet.
Die «Drei Schwestern» (2052 m, Wertstufe CHF 1.00) zählen zu den bekanntesten Bergformationen Liechtensteins. Sie prägen das Landschaftsbild im Norden des Landes und sind ein beliebtes Ziel für Wanderer und Naturfreunde.
Der «Schönberg» (2104 m, Wertstufe CHF 1.20) erhebt sich oberhalb des Rheintals und bietet eindrucksvolle Ausblicke auf das Alpenpanorama. Er steht für die sanftere, aber dennoch alpine Seite der liechtensteinischen Bergwelt.
Der «Rappenstein» (2221 m, Wertstufe CHF 1.90) markiert einen Übergang zu anspruchsvolleren Bergregionen. Er ist Teil des alpinen Rückgrats des Landes und ein Ziel für erfahrene Berggänger. Mit dem «Grauspitz» (2599 m, Wertstufe CHF 2.50) zeigt der Sonderblock den höchsten Berg Liechtensteins. Er symbolisiert die alpine Spitze des Fürstentums und steht für sportliche Herausforderung, Naturerlebnis und hochalpine Landschaft.
Mit der Ausgabe «Orchideen» rückt die Philatelie Liechtenstein die oft verborgene Schönheit der liechtensteinischen Pflanzenwelt ins Blickfeld. Die beiden Sonderbriefmarken widmen sich wildwachsenden Orchideenarten, die durch ihre Schönheit ebenso faszinieren wie durch ihre Seltenheit.
Die Sonderbriefmarke «Gelber Frauenschuh» (Cypripedium calceolus, Wertstufe CHF 1.20) ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht unter strengem Schutz.
Er wächst bevorzugt in lichten Laubwäldern, Gebüschen oder Trockenrasen und erreicht Höhenlagen bis zu 2000 m. In Liechtenstein ist er vereinzelt in den unteren Hanglagen und im Alpgebiet zu finden.
Die zweite Sonderbriefmarke «Helm-Knabenkraut» (Orchis militaris, Wertstufe CHF 1.90) zeigt eine stattliche, wildwachsende Orchideenart mit Hauptverbreitungsgebiet in Mitteleuropa. In Liechtenstein ist die Art geschützt und kann früh im Jahr zerstreut in den Magerrasen der Talebene beobachtet werden.
Die Briefmarken können ab sofort vorbestellt werden.